Fallvorstellung
23-jähriger Mann mit linksseitiger Poland-Sequenz mit:
- Hypoplasie des Musculus serratus anterior
- Hypoplasie des Musculus pectoralis major, der nur an den Ansätzen an der Klavikula und am ersten kostosternalen Übergang vorhanden ist
- Fehlen des Musculus pectoralis minor
- Fehlen des Mamillen-Areola-Komplexes
- Leichte Verkürzung der ipsilateralen oberen Extremität
Der Patient weist außerdem eine tiefe Thoraxdepression auf, die mit einer Trichterbrust Grad 3 in Verbindung mit einer Dextrokardie vereinbar ist.

Die Deformität entspricht einer hybriden Poland-Sequenz Typ 4M mit assoziiertem Pectus arcuatum, was besondere Herausforderungen bei der Operationsplanung mit sich bringt.
Operation mit maßgefertigtem 3D-Implantat
Es wurde entschieden, die Rekonstruktion durchzuführen mittels:
- Maßgefertigtem Implantat aus Silikonelastomer
- Dreidimensionaler CAD-3D-Modellierung
- Implantation nach der von Chavoin beschriebenen Technik

Dieser Ansatz ermöglicht es, das Implantat an die Anatomie des Patienten anzupassen und die Wiederherstellung der Thoraxkontur zu optimieren.
Chirurgischer Eingriff
Während der chirurgischen Präparation wurden folgende Strukturen identifiziert:
- Pulsierendes Gewebe angrenzend an das Sternum
- Plexus brachialis in der Nähe der Präparationsebene
Die Implantation des Implantats erfolgte ohne strukturelle Verletzung.

Postoperativer Verlauf
Drei Tage nach der Operation entwickelte der Patient ein Hämatom, das durch wiederholte Drainagen mit einer Kanüle behandelt wurde.
Der weitere Verlauf war günstig, ohne ästhetische oder funktionelle Folgeschäden.
Das endgültige ästhetische Ergebnis war zufriedenstellend, mit einer hohen Patientenzufriedenheit.
Postoperative radiologische Beurteilung
Nach dem Eingriff wurde eine CT-Segmentierung durchgeführt, bei der Folgendes festgestellt wurde:
- Keine Rippenagenesie
- Kein direkter Kontakt mit dem Herzen
Es wird angenommen, dass das intraoperativ beobachtete pulsierende Gewebe der Muskulatur des Musculus serratus anterior entsprach, die durch einen großkalibrigen Gefäßstiel versorgt wurde.
Schlussfolgerungen
Bei der chirurgischen Behandlung komplexer angeborener Fehlbildungen ist es wesentlich, die damit verbundenen anatomischen Varianten zu berücksichtigen.
Die präoperative Planung mittels CT und CAD-3D-Design ermöglicht:
- die Optimierung der Thoraxrekonstruktion
- die frühzeitige Erkennung anatomischer Besonderheiten
- die Minimierung intraoperativer Risiken
Bei komplexen Fällen eines Pectus arcuatum in Verbindung mit einer Poland-Sequenz stellt die Rekonstruktion mit maßgefertigten Implantaten eine sichere und technisch einfachere Option als Verfahren wie Nuss oder Ravitch dar.
Autoren
Hauptautorin
Dr. Teresa Nuñez-Villaveiran ist Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, die in Spanien ausgebildet wurde und über internationale Spezialisierungen verfügt. Nach ihrem Medizinstudium an der Universität Navarra absolvierte sie ihre Weiterbildung in Pädiatrie am Hospital La Paz in Madrid, bevor sie ein Praktikum in Allgemeinchirurgie an den University of Illinois Metropolitan Group Hospitals in Chicago absolvierte. Anschließend spezialisierte sie sich am Hospital La Paz auf Plastische und Rekonstruktive Chirurgie und absolvierte ein Fellowship in kraniofazialer Chirurgie an der Cleveland Clinic und am Akron Children’s Hospital (USA).
Sie promovierte in Medizin mit internationaler Auszeichnung und der Bewertung „cum laude“ und ist vom European Board of Plastic Aesthetic and Reconstructive Surgery (EBOPRAS) zertifiziert, wo sie auch als Generalsekretärin und Prüferin tätig ist. Sie ist Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und Associate Editor von Plastic and Reconstructive Surgery (PRS) sowie Gutachterin für mehrere der einflussreichsten internationalen Fachzeitschriften.
In ihrer klinischen Praxis verfolgt Dr. Nuñez-Villaveiran einen individuellen Ansatz, der fortschrittliche rekonstruktive Chirurgie mit moderner Operationsplanung verbindet, um auf jeden Patienten abgestimmte Lösungen anzubieten.
Mitwirkende
Dieser klinische Fall wurde in Zusammenarbeit mit folgenden Personen durchgeführt:
- Dr. Noemí González-Muñoz, Fachärztin für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Hospital General de Granollers, Spanien
- Prof. Jean-Pierre Chavoin, ehemaliger Leiter der Abteilung für Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Toulouse, Frankreich

